07.10.2010
Das Bild des asozialen Managers
Selten ist die “böse Fratze” des blanken Kapitalismus so deutlich hervorgetreten wie vor wenigen Tagen, als Bahnchef Gruber sein klares Bekenntnis dazu abgab, was er von demokratischen Spielregeln hält.
Zur Diskussion um das umstrittene Bauprojekt “Stuttgart 21″ äußerte dieser sich wie folgt: “Ein Widerstandsrecht gegen einen Bahnhofsbau gibt es nicht. (…) Bei uns entscheiden Parlamente, niemand sonst.”
So deutlich hatte es in der Tat zuvor noch kein hochbezahlter Manager gewagt, die Grundzüge der Demokratie, also auch das Recht auf Demonstration, mit Füßen zu treten. Daß laut Grundgesetz in dieser Republik “alle Macht vom Volke ausgeht” hat wohl auch ein Herr Gruber nicht verinnerlicht. Er setzt damit in bravem Gehorsam die Reihe der vielen etablierten Politiker fort, denen die Meinung des Volkes schon lange vollkommen egal ist und denen es längst um die Erfüllung ganz anderer (oftmals eigener) Interessen geht.
Gerade das Beispiel “Stuttgart 21″ sollte der etablierten Politik eine Lehre sein, es sollte ihr aufzeigen, daß es sich endlich einmal das Volk nicht gefallen läßt, daß wieder einmal über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.
Wie kann es sein, daß in Zeiten der wirtschaftlichen Knappheit, in Zeiten der sozialen Armut plötzlich rund 4 Milliarden Euro für ein absolut überflüssiges Bahnprojekt ausgegeben werden, das letztendlich zum Ziel hat, einige wenige Bahnverbindungen um wenige Minuten zu verkürzen. Wieder einmal soll hier ein wirtschaftliches Großprojekt durch die etablierte Politik durchgeboxt werden, denkmalgeschützte Gebäude werden abgerissen, Jahrhunderte alte Bäume gefällt, die Bevölkerung, die ihr durch das Grundgesetz garantiertes Recht auf Demonstration wahrnimmt, durch Wasserwerfer und Pfeffersprays zurückgedrängt.
Niemand, außer den zu immer mehr Profit strebenden Wirtschaftskonglomeraten, braucht ein Projekt wie “Stuttgart 21″. Niemals hat es in der Vergangenheit irgendwelche Schwierigkeiten bei der bahntechnischen Verkehrsanbindung Stuttgarts gegeben; die Tatsache, daß die Verbindung Stuttgart – Ulm durch ein solches Projekt wenige Minuten schneller realisiert werden könnte, rechtfertigt wohl kaum, daß wieder einmal dem Steuerzahler viele Hunderte Millionen Euro aufgebürdet werden und noch viel weniger, daß zur Durchsetzung eines solchen Projektes friedliche Demonstranten durch Wasserwerfer und Pfeffersprays der Ordnungskräfte verletzt werden.
Welch Geistes Kind die Initiatoren und Verantwortlichen hinter einem solchen Projekt sind, zeigt eindeutig die oben zitierte und zutiefst asoziale Äußerung des Herrn Gruber.
Wirklich zu hoffen ist, daß die Wähler in Baden-Württemberg bei der Landtagswahl im nächsten Jahr den etablierten Politikern auch für das Vorgehen bei diesem Projekt einen deutlichen Denkzettel verpassen. Eine nationale Opposition, der die Stimme des Volkes noch überaus wichtig ist, wird mit einer starken Mannschaft als Alternative bereit stehen.
Quelle: www.dvu.de








